Gelungener Start in den Europacup dank optimaler Vorbereitung!

Timo Rohner
Timo Rohner

Mit der höchsten Geschwindigkeit im Eiskanal von Lillehammer sind wir erfolgreich in den Europacup gestartet. Als bestes Schweizer Team haben wir im 2er den 5. Platz erreicht. Im 4er den 9. Schlussrang, trotz kurzfristigem Anschieberwechsel …

Doch zuerst ein paar Zeilen über unsere englische Verstärkung!

Für diese Saison haben wir das Glück unser Team mit Joel Fearon verstärken zu können. Jeol ist bereits ein bekannter Name im Bobsport und in der Leichtathletik. Sein grösster Erfolg ist der 3. Rang an den Olympischen Winterspielen 2014 in Sochi mit dem Team England. Da im Bobsport der Start extrem wichtig ist, gilt Joel für diese Saison offiziell als Verstärkung, mit dem Ziel, international mithalten zu können um dieses Jahr wieder im Weltcup an den Start zu gehen. Joel ist nicht nur als Sportsmann hervorragend sondern auch sonst für uns sehr wertvoll. Er ist uns eine grosse Hilfe beim Athletiktraining, da er hier sehr viel Erfahrungen mitbringt. Es macht Spass mit ihm und wir sind glücklich ihn bei den Rohner Bulls begrüssen zu dürfen.

Saisonvorbereitung mit neuem Trainer

Zum Einstieg organisierten die Rohner Bulls ein eigenes Trainingslager in Norwegen, damit wir für die anstehenden Sichtungsrennen gut vorbereitet waren. Mit dabei unser neuer Trainer Dominik Scherer. Es war eine sehr lernreiche Woche für mich als Pilot. Dank den Inputs von Dominik sind wir das Bobfahren von Grund auf neu angegangen. In 5 Tagen Lillehammer haben wir uns mit 25 Fahrten bestens eingefahren.

Sichtungsrennen Königssee

Danach ging es nach Königssee für das erste Sichtungsrennen. Der Schweizer Bobverband hat sich dieses Jahr für Sichtungsrennen entschieden um die Teams für den Start im Europacup zu bestimmen. Danach entscheiden die Resultate der jeweiligen Rennen über die Teilnahme an den nächsten Rennen. Wir haben in Königssee viele neue Sachen ausprobiert. Im Bobsport gehört das Ausprobieren dazu, um herauszufinden, welche Veränderung etwas bringt oder nicht. Beim 2er-Bob haben wir über den Sommer eine neue Lenkung eingebaut. Was zu Beginn nicht die Resultate brachte, welche wir erhofften. Im 2er-Sichtungsrennen wurden wir enttäuschende 5. Beim 4er-Rennen rangierten wir uns auf Platz 3. Schon besser, aber immer noch nicht, was wir uns vorgenommen haben.

Fahrweise Training in Winterberg

Von Königssee ging es nach Winterberg. Fünf Tage lang trainierten wir auf der Bahn. Hier findet diese Saison die Junioren WM und 4er-Bob EM statt. Die Trainings haben gezeigt, dass unser 2er-Bob richtig gut läuft, wenn's gut läuft.

Zweite Sichtungsrennen Altenberg

Die zweiten Sichtungsrennen standen an. Wir hatten gute Trainingsläufe und donnerten das erste Mal mit dem 4er-Bob die schwierigste Bobbahn von Europa hinunter. Diese Bahn ist einfach nur krass – anders kann man es nicht ausdrücken! Beim Training ging unser Vorderboot am 4er-Bob kaputt, obwohl wir nicht gestürzt waren. So ist Altenberg, da gehen auch mal Sachen kaputt. Für uns bedeutet dies, dass wir wieder 2er-Fahrten anstatt 4er-Fahrten machen mussten.

Das Training lief sehr gut und am Abschlusstraining fuhren wir mit den breiten polierten Kufen. Um so breiter die Kufen, desto schneller ist der Bob, das fahren jedoch schwieriger. Und dann passierte es; der erste Sturz in Altenberg. Die Mannschaft hat den Sturz einigermassen gut überstanden. Nur ein paar kleine Dellen. Doch beim neuen Lenksystem hat sich etwas verbogen. Wir haben dies so gut wie möglich repariert – wir waren bis um 00:30 Uhr in der Garage (gähn). Am nächsten Tag starteten wir mit der Nr. 1 ins Rennen. Für mich als Pilot eine neue Situation und dies nach einem Sturz! Die Fahrt war nicht ganz so gut, doch wir waren schnell. Im ersten Lauf Platz 3. Beim zweiten Lauf war die Fahrt schon viel besser und wir fuhren die beste Zeit. Am Schluss reichte es für den 2. Schlussrang. In der Endwertung der Sichtungsrennen waren wir die zweitbesten Schweizer. Deshalb haben wir uns für den Start am Europacup in Lillehammer qualifiziert.

Und nochmals ein Training in Winterberg

Die meisten Teams gingen nach den Rennen in Altenberg zurück nach Hause in die Schweiz. Wir fuhren zurück nach Winterberg um noch mehr Erfahrungen mit und im 4er-Bob zu sammeln. Da Pascal Moser mit dem 4er-Bob nach dem Defekt direkt von Altenberg nach Hause fuhr, um diesen in die Reparatur zu bringen, konnten wir hier in Winterberg zum Glück wieder 4er-Bob fahren. Dieses Training brachte uns einen guten Schritt weiter und wir hatten sehr gute Fahrten hier. Diese Woche haben wir selbst organisiert und finanziert. ... Wie Du vielleicht weisst, kann man über uns nicht nur lesen, sondern uns auch mit einem kleinen Beitrag unterstützen!

23./24. November, Lillehammer: Start in den Europacup!

Direkt von Winterberg aus fuhren wir mit unserem Transporter und den Bobs nach Kiel auf die grosse Fähre. Was für ein cooles Erlebnis. Eine Fähre ist ein riesiges Kreuzfahrtschiff, wo man fast alles machen kann. Das tat uns gut, einmal etwas anderes zu tun als zu trainieren. Ganze 20 Stunden waren wir auf dem Schiff bis wir in Oslo anlegten. Hier schneite es wie verrückt und war sehr kalt – sind also im Winter angekommen.

Die Bahn kannten wir ja schon vom Beginn der Saison. Es lief gut im Training. Insgesamt sind wir zwei Wochen da. Wieder eine neue Herausforderung für mich als Pilot. Um so mehr man fährt, desto besser möchte man fahren. Dies führte dazu, dass wir plötzlich nicht mehr so schnell waren. Irgendwie hatte ich dann in der Mitte der Bahn etwas Mühe und einen Sturz. Doch am Ende haben wir das Ruder wieder gedreht. Für beide Rennen hatten wir dann noch eine gute Auslosung erwischt. Wir konnten beide Rennen in den ersten vier Plätzen starten. 

Das 2er-Rennen begann mit einem sehr guten ersten Lauf – 3. Rang – und mit der höchsten Geschwindigkeit von allen Teams. An der Startzeit müssen wir jedoch noch arbeiten. Der zweite Lauf war dann leider nicht ganz so perfekt und wir fielen 3 Ränge nach hinten. Die Konkurrenz war sehr stark und die Zeiten lagen alle nahe beieinander. Am Schluss waren wir das beste Schweizer Team und landeten auf dem guten 5. Rang.

Beim 4er lief dann alles nicht so wie geplant. Joel Fearon, unsere Position 4, fiel kurzfristig verletzt aus und wir mussten umplanen. Maruan Giumma flog spontan am Samstag (Tag des 2er-Rennens) rauf nach Oslo um einzuspringen. Weil jedoch sein Gepäck nicht mit dem gleichen Flieger ankam, erreichte er unser Hotel erst sehr spät am Abend. Keine idealen Voraussetzungen. Die erste Fahrt von Maruan mit dem 4er-Bob und dies gleich an einem Rennen im Europacup. Das ist schon sehr speziell. Doch wir nennen uns ja nicht «Bulls» um den Kopf in den Sand zu stecken (ha, ha, ha!). Mit der tiefen Startnummer fuhren wir im ersten Lauf auf Platz 5. Diesen Platz wollten wir auf Teufel komm raus halten und am Start noch einen draufzuhauen. Doch die Rechnung ging nicht auf. Wir fielen auf den 9. Schlussrang zurück. Im ersten Moment kämpften wir alle mit einer grossen Enttäuschung. Doch «hei» – die Saison ist noch jung. Und als zweitbestes Schweizer Team dürfen wir am nächsten Europacup in Altenberg, am 5. und 6. Dezember, wieder an den Start. Was für eine Motivation!